Ein ganz besonderer DrehMoment in der Alten Seilerei

19. Mai 2017 - Anna Gruhle

Am 18. Mai erfuhren die Zuschauer bei der Premiere von DrehMoment wie sich durch Tanz und Musik das Thema Identität – im speziellen Identitätsfindung – anfühlen und anhören kann. Sie wurden mit auf eine wortlose Reise genommen, denn die Atmosphäre, die die Tänzerinnen und Tänzer mit ihrer Choreographie und die Musiker mit ihren Klängen auf die Bühne der Alten Seilerei brachten, brauchten nicht viele Worte. Am 19. Mai findet die zweite Vorstellung des Projekts statt.

Atem – Energie – Blicke – Kontrolle – Kontakt – Suche – Zeigen – Funktion – Kreis – Linie – Raum – Fall – Mauer – Bewegung

Das sind Schlagworte des Programms, die am Anfang der Vorstellung an das Publikum ausgeteilt wurden. Erst nach der Vorstellung versteht man, was sie zu bedeuten haben. Denn die zeitgenössische Choreographie  setzt genau diese Worte um. Ansonsten wurden am Donnerstagabend kaum Worte gewechselt, denn als die Zuschauer saßen und das Licht im Saal ausging, erschien ein Lichtkegel auf der Tanzfläche und das Tanz-Musik-Projekt Drehmoment begann.

Es folgte ein wilder Wechsel aus dynamischen, ruhigen, lauten, leisen, schnellen und langsamen Tanzpassagen – mal mit der ganzen Gruppe aus 15 Tänzerinnen und Tänzern, mal nur mit zwei Tänzerinnen auf der Bühne. Begleitet wurden sie von den starken Klängen der Pop-Rock Band Darboux. Im Fokus stand bei Tanz und Musik das Gefühl der Zerrissenheit. Das Gefühl auf der Flucht zu sein, Grenzen abzubrechen und zu überwinden. Es ging um die Auseinandersetzung mit einem völlig neuen Medium, um seine eigene Identität zu gestalten und zu finden. Ebenso brachten die Künstler aber auch ein ausdrucksstarkes Zusammengehörigkeitsgefühl auf die Bühne, dass alle mitnahm.

Nach einer Stunde kamen sowohl die Künstler als auch die Zuschauer wieder im Hier und Jetzt an und alle Mitwirkenden nahmen den verdienten und tosenden Applaus entgegen.

Aufeinandertreffen der Kulturen in Bamberg

Das Projekt DrehMoment ist ein tolles Beispiel dafür, wie abwechslungsreich und vielfältig Bamberg ist. Mit diesem Projekt wurden nicht nur Studierende und Berufstätige, Jugendliche und Familien, Männer und Frauen, Kinder und Erwachsene, sondern besonders auch Zugezogene, Neuankömmlinge und Asylsuchende angesprochen. Dies spiegelt sich auch in der Zusammensetzung der Tänzerinnen und Tänzer wider. Es ist sozusagen ein Aufeinandertreffen der Kulturen – nicht nur aus tänzerischer und musikalischer Sicht.

Die Organisatoren haben in der Kürze der Zeit ein wirklich tolles Projekt auf die Beine gestellt. Es ist zu hoffen, dass dergleichen noch öfter in Bamberg zu sehen ist, denn es zeigt das große Potenzial von Bamberg, nicht nur durch Weltkulturerbe, sondern auch durch Weltoffenheit hervorzustechen.

Am 19. Mai kann man DrehMoment noch einmal miterleben. Beginn ist um 19 Uhr in der Alten Seilerei. Der Eintritt ist frei.

Das Projekt

DrehMoment ist ein freiwilliges Tanz-Musik-Projekt, das vom Kultur- und Bildungsprojekt „be a friend“ unter der Trägerschaft von Chapeau Claque e.V., der Dancecompany Movement und der Post-Rock-Band Darboux präsentiert wird. Gefördert wird das Projekt von Chapeau Claque e.V., dem Fonds Soziokultur, der Oberfrankenstiftung sowie der Kulturförderung der Stadt Bamberg.

Das Besondere am Projekt DrehMoment ist, dass jeder mit denselben Anfangsbedingungen daran teilnehmen konnte. Innerhalb von vier Wochen entwickelte das Team rund um Choreographin Wiebke Zetzsche und der Künstlerischen Assistenz Katharina Göb eine Choreographie, die Grenzen abbrechen soll. Denn die gemeinsamen Ziele sind: die Bildung eines eigenständigen Selbstbewusstseins, das Kennenlernen neuer Kunstformen, den kreativen Austausch und eine ehrliche gesellschaftliche Teilhabe.

Bildnachweis: 
Anna Gruhle
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