Interaktives Theater Zeitsprung

13. November 2018 - Rhea Nguyen

Ich hatte die Möglichkeit, vor der Premiere des nächsten Stückes des Interaktiven Theaters Zeitsprung, "Düstere Gezeiten", ein Interview mit Silke und Sandro, zwei Mitgliedern, zu führen.

 

Vielen Dank, dass ihr euch für das Interview Zeit genommen habt.

Ihr heißt ja Interaktives Theater Zeitsprung. Aber wofür steht das „Interaktive Theater“ in eurem Namen? Müssen die Zuschauer mitspielen?

 

Silke: Das ist schon ein ganz gutes Stichwort, wir nennen uns zwar Interaktives Theater, aber es ist tatsächlich so, dass man bei uns nicht zuschauen kann, sondern dass wir eigentlich mit unseren Gästen spielen. Wir haben eine kleine Story/Rahmenhandlung vorbereitet über den ganzen Abend und die Gäste machen das Ganze mit uns zusammen.

 

Sandro: Wir bieten den Rahmen, die Erfahrung des selber Mitmachens, verteilen auch unter den Gästen zum Teil verdeckt auch Spieler von uns, die die Handlung fortbringen, wenn wir z.B. erkennen „da passiert überhaupt nichts“ ohne zu vermitteln, dass sie Hilfe brauchen. Die Erfahrung, die wir vermitteln wollen ist die, dass unsere Gäste auch mal in eine andere Rolle schlüpfen können, wo sie jemanden spielen können, der vom Charakter her komplett anders ist als sie, und das wird auch sehr gut angenommen.

 

Wie ist es mit Verkleidungen? Wie kann man sich das vorstellen?

 

Silke: Verkleiden müssen sie sich nicht, erst mal ganz grundsätzlich, es ist aber natürlich ganz schön, wenn man sich dem Genre/dem Anlass entsprechend anzieht. Es ist aber nicht so schwer, weil man das meiste sowieso schon im Kleiderschrank hat. Das letzte Stück, dass wir gespielt haben war „Gangs of Chicago“, das spielte zu der Zeit der „goldenen Zwanziger“, da zieht man dann als Mann eben einen Anzug an, damit liegt man da nie falsch. Die Mädels ziehen dann eben ein schickes Kleid oder einen Rock und eine Bluse an. Es muss wirklich nichts Aufwändiges sein, man muss sich auch nichts kaufen. Mit Accessoires, die wir meistens auch da haben, kann man das Outfit auch aufpimpen. Aber wenn man dann mit dem Hawaiihemd irgendwie auf einer Trauerfeier, was beim nächsten Stück, „Düstere Gezeiten“ der Fall ist, erscheint, dann passt das halt nicht so gut.

 

Sandro: Wichtige Personen kriegen dann eben noch extra Ausstattung dazu, ein Schmuggler kriegt eben einen geheimnisvollen Koffer dazu, aber generell ist es schon richtig, dass man keine Verkleidung braucht. Das meiste findet im Kopf statt, in der Fantasie, der Leute.

 

Ihr habt bereits euer nächstes Stück, „Düstere Gezeiten“, angesprochen, worum geht es da genau?

 

Sandro: Im Grunde geht es um den Spielort, der auf einer Insel in der Nordsee ist. Wir sind in einem Hotel, welches eine nicht so schöne Vergangenheit hat, deswegen auch der Name „Düstere Gezeiten“. Es geht eben zum Teil auch um die düstere Vergangenheit. Wir versuchen dieses Mal auch einen Mystery-Ansatz mit rein zu bringen, das hatten wir bisher in dieser Form noch nicht.

 

Silke: Es ist eben ein bisschen Mystery, ein bisschen etwas Unheimliches dabei. Was man noch wissen sollte ist, dass es verschiedene Gruppen und Rollen gibt, in die man Schlüpfen kann, die mit anderen in Kontakt treten, meistens kriegt man gar nicht alles mit, was in der Geschichte passiert. Wir machen den Rahmen in diesem düsteren Hotel mit der mysteriösen Vergangenheit, und alles was an dem Abend passiert, ob es Streitereien in der Familie gibt oder was in den Räumen passiert, die wir extra etwas hergerichtet haben, das zeigt sich im Laufe des Abends. Das wird alles eine Überraschung und das machen wir letztendlich alles mit den Gästen.

 

Sandro: Es gibt eigentlich auf für jeden Geheimnisse zum Aufdecken, ob man jetzt eine Aufgabe hat um diese Aufzudecken, ob man das einfach mitbekommt oder irgendwie mit reinrutscht, das ist alles offen. Wir haben kein durchgeplantes Skript, sondern müssen auch spontan auf die Handlung reagieren. Wir spielen diese Handlung ja drei – vier Abende, und es ist jeden Abend anders.

 

Das ist jetzt ja auch schon ein sehr ausgefeiltes Stück, da wollte ich fragen: wie kommt ihr eigentlich auf die Ideen für eure Stücke?

 

Silke: Wir machen alles selbst, und wir kommen auf die ganzen Ideen, da wir ein verrückter Haufen sind. Wenn wir zusammensitzen wird das immer ein super Brainstorming Prozess. Wir haben ja auch unterschiedliche Erfahrungen mit Live-Rollenspiel, Improtheater und Klassischen Theater gemacht, daraus zieht man dann Inspirationen und seine Lust zu spielen. Es kommt auch immer drauf an wo wir spielen können, die Orte dürfen nicht zu viel Geld kosten, denn das müssen wir natürlich auch an unsere Gäste weitergeben. Aber meistens finden wir auch einen Spielort, der dann klasse ist. Es kommt also auf die Kombination der Räume und unserer Ideen an.

 

Sandro: Die Ideen kommen zum größten Teil daher, dass wir ein Konglomerat aus Nerds sind, jeder von uns hat ein spezielles Nerd Thema, es gibt einen der ist ein Film-Freak, einige von uns spielen Pen and Paper, da kommen dann ein paar Ideen her. Dann gibt es einige Leute, die viel lesen und einige, die einfach nur kreativ sind. Im Grunde sind wir einfach ein kreativer Haufen.

 

Wie hat sich dieser Haufen zusammengefunden, wie ist euer Theater denn entstanden?

 

Silke: Ganz ursprünglich kam es über das Improtheater zusammen, die Gruppe hieß Spätzünder, da haben wir klassisches Improtheater gespielt. Irgendwann ist die Alex zu uns gestoßen und hat die Idee reingebracht, mal was anderes auszuprobieren, eben mit dem interaktiven Theater. Eben etwas zu spielen, wo nicht alles vorgegeben ist, sondern wo mit den Gästen zusammen die Handlung entwickelt wird. Das haben wir dann weiterentwickelt. Irgendwann hat sich die Gruppe aufgelöst, weil wir das Studium beendet haben und in alle Winde zerstreut waren. Einige sind übriggeblieben, andere sind dazu gekommen, unter anderem auch Freunde von weiter weg, wir haben z.B. Leute, die kommen aus Köln zum spielen hierher, das ist auch ganz witzig. Im Prinzip sind wir eben Freunde/Bekannte aus dem „Nerdkreis“, die sich zusammenfanden.

 

Sandro: Dann gibt es noch die Randgruppe, wie mich zum Beispiel, ich bin über das Spielen als Gast dazu gekommen. Ich war drei Abende dort, weil es mir so gut gefallen hat und jedes Mal anders war, ich habe jedes Mal eine andere Rolle gespielt und wurde dann von der Alex angesprochen, dass bei Ihnen jemand ausgefallen ist und ob ich das übernehmen könne. Und hier bin ich!

 

Apropos dazu kommen, wie ist das mit euch und neuen Mitgliedern? Nehmt ihr neue auf?

 

Sandro: Prinzipiell sind wir immer auf der Suche nach neuen Leuten, aber wir haben jetzt auch schon Ansprüche. Wir nehmen jetzt niemanden auf der unkreativ ist oder mitmachen will, einfach weil er mitmachen will. Wir sind alle berufstätig und haben das mehr oder weniger als Hobby, aber ich denke es geht darum, dass man mit Leidenschaft dabei ist, dass man eben Zeit reinsteckt. Dann ist eigentlich jeder willkommen.

 

Silke: Man kann sich, wenn man Lust hat, einfach melden, wir machen das eigentlich so, dass wir uns erst mal treffen und mal gucken, ob man auf einer Wellenlänge liegt. Man sollte sich schon gut verstehen, weil man dann als Leitspieler zusammen den Rahmen legen muss. Ein bisschen Erfahrung schadet auch nicht.

 

Sandro: Aber ins blaue hinein sagen „Ja ich habe jetzt Bock drauf zu spielen“ ist auch nicht der richtige Weg, man sollte sich das zumindest mal angeschaut haben. Entweder man ist eben sofort begeistert oder man kann damit nichts anfangen.

 

Zum Abschluss noch ein paar Worte zu „Düstere Gezeiten“?

 

Silke: Vielleicht ganz generell: wer denkt „das klingt ja ganz spannend aber ich trau mich nicht so richtig“ muss keine Angst haben: man muss nichts können. Das wichtigste ist: Spaß am Spiel haben und sich trauen. Man kann sich auch ein paar unserer Videos auf YouTube anschauen, da ist ziemlich viel erklärt. Aber grundsätzlich kriegt man eine Rollenkarte, da ist ein Name drauf, ein Beruf, ein paar Aufgaben, die man im Laufe des Abends erledigen soll, sodass man mit anderen in Kontakt kommt. Als Kinder haben wir auch ganz viel gespielt und sind in andere Rollen geschlüpft, da ist uns das leicht gefallen. Da haben wir nicht darüber nachgedacht, was wir machen, und so ähnlich ist das hier auch. Man muss wirklich keine Scheu haben was falsch zu machen, das geht eigentlich nicht. Außerdem gibt es eine kleine Einweisung, wie das ganze funktioniert. Vor allem die Leute, die das ganze zum ersten Mal gemacht haben, haben danach gemeint „Das ist ja total cool und ich habe gar nicht gewusst, dass ich das kann, das hat mir so viel Spaß gemacht“.

Und ja, „Düstere Gezeiten“ wird auf jeden Fall wieder eine ganz coole Geschichte und wir versuchen Elemente einzubauen wie das Mystery-Thema, was etwas ganz Spannendes ist. Wer sich da mal in eine andere Welt begeben möchte ist ganz herzlich willkommen.

 

Sandro: Der Grobe Plot: es geht um einen, der verstorben ist, um eine Beerdigung, und die Gäste, die kommen werden haben alle irgendwie mit diesem Verstorbenen zu tun und inwiefern alles miteinander verwoben ist und was an Intrigen gesponnen wird, liegt alles an denen, die kommen werden.

 

Das Gespräch, dass wir anschließend geführt haben war sehr interessant und aufschlussreich, es hat mir nur noch mehr Laune auf „Düstere Gezeiten“ gemacht. Die erste Aufführung wird am 17.11. 2018 sein, folgende Aufführungen wären dann am 08.12.2018, 12.01.2019 und am 19.01.2019.

Weiteres könnt ihr entweder auf ihrer Homepage oder auf ihrer Facebook-Seite nachlesen.

Falls ihr Interesse am Stück habt, hier geht es zum Kartenvorverkauf.

Bildnachweis: Interaktives Theater Zeitsprung

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