Düstere Gezeiten im Hotel "Seeblick"

06. Dezember 2018 - Rhea Nguyen

Johann Magnus von der Geest ist tot.

Das sehnlichst herbei gewünschte Ende des reichen Familienpatriarchen führt Familienangehörige und Bekannte, wenn auch äußerst widerwillig, zu einem Leichenschmaus zusammen. Denn das Herrenhaus, eine ehemalige Heilanstalt für Tuberkulosekranke, hat einen furchtbaren Ruf. Bereits in der Vergangenheit sind Menschen in dem Gemäuer spurlos verschwunden und es hält sich hartnäckig das Gerücht, sie würden das Haus heimsuchen. Doch das Vermögen des Alten ist für jeden eine Verlockung.

Wenn man nur an das Testament käme…

 

So viel zur Rahmenhandlung des Stückes „Düstere Gezeiten“ des Interaktiven Theaters Zeitsprung. Doch hält es auch was es verspricht?

Man muss dazu sagen, dass der Termin am 17.11.2018 auch die Premiere war, und wie das bei Improvisationstheater eben so ist, läuft nun mal nicht alles nach Plan. Vor allem dann nicht, wenn die Gäste (nicht planbare Faktoren!) mitspielen sollen.

Schon beim betreten des Erdgeschosses, noch vor der eigentlichen Aufführung, bemerkt man, wie viel Herzblut in das Projekt gesteckt wurde, die Örtlichkeit wurde stimmig eingerichtet und auch kleinere Accessoires wurden bereitgestellt, falls man selbst dem Anlass nicht entsprechend genug gekleidet war. Auch wurden gleich zu Beginn Umschläge verteilt, in denen sich die Karten für die Rollen befanden, welche man dann später annehmen würde. Bemerkenswert war, dass die leitenden Schauspieler die Rollen an die Gäste so verteilen konnten, dass man schon am Anfang des Stückes den Unterschied zwischen den Gästen und den leitenden Schauspielern kaum noch erkennen konnte. Natürlich muss man dazu noch sagen, dass viele der Teilnehmer bereits mehrere Male bei den Stücken des Interaktiven Theaters mitgewirkt haben und deswegen sehr überzeugend in ihrer Rolle waren.

 

Nach einer kleinen Einführung wurde man dann auch gleich in das Geschehen geworfen. Der Anfang war sehr frei, jeder hatte die Gelegenheit, die anderen Rollen kennenzulernen.

Im Grunde genommen könnte man den Rest des Abends in zwei Teilen beschreiben: einmal der tatsächliche, schauspielerisch gestaltete Abend, und SO DER NICHT GEPLANTE UND BEABSICHTIGTE „Escaperoom“ - Teil. Die Suchlust der Gäste ließ es so sehr „ausarten“.

Den größten Teil des Abends verbrachten die Gäste also damit, Hinweise auf die Umstände im „Hotel Seeblick“ zu finden. Die Schauspieler verstanden es auch, die Interpretation der Gäste mit ins Stück einzubinden. Denn, wie sie es auch oft betonten, kann man nichts falsch machen,

Das einzige, was ich zu bemängeln hätte, wäre, dass, unter anderem, das Ende nicht eindeutig war,

es war relativ abrupt und dadurch, dass nicht alle Hinweise gedeutet werden konnte, hat man auch nicht gleich verstanden, was passiert ist. Das störte einen allerdings auch nicht weiter, da Unklarheiten im Nachhinein noch erklärt wurden. So konnten dann einzelne Hinweise erneut interpretiert werden, was einen „Aha“-Effekt auslöste.

 

Ein weiteres Highlight an dem Abend war das anschließende Essen (Pizza, die vorher bestellt wurde) und die Gespräche mit den anderen Gästen und Schauspielern, die man dann führen konnte. So hat man teilweise auch von Handlungssträngen anderer Leute erfahren, von denen man so nichts mitbekommen hat.

Alles in allem kann man sagen, dass es ein sehr gelungener und interessanter Abend war, der für jeden etwas wäre, die daran interessiert ist, in eine andere Rolle zu schlüpfen.

 

Die nächsten Vorstellungen finden am 12.01.2019 und 19.01.2019 statt.

 

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